Antworten auf Fragen zum Bürgerforum vom 26. Juni 2020 – Teil 4

„Werden uns schützen, sobald wir können“ UND "Maßnahmen haben viele Leben gerettet"

In einem Bürgerforum auf dem Meininger Markt hatten sich kürzlich Politiker und ein Mediziner den Problemen der Bürger in Zusammenhang mit der Corona-Krise gestellt. Fragen, die an dem Abend offen blieben, sollten im Nachhinein beantwortet werden.

Auf Karteikärtchen konnten an jenem Bürgerforum-Abend in Meiningen Fragen gestellt werden. Die Gesprächspartner schafften es aus Zeitgründen nicht, auf alle Probleme einzugehen, versprachen den Anwesenden aber, das später noch schriftlich zu tun – unter anderem auf der Internetseite des Landratsamts www.lra-sm.de. Lesen Sie heute die Antworten (vierter Teil) von Privatdozent Dr. Michael Hocke, Ärztlicher Direktor des Meininger Helios-Klinikums (ähnliche Fragen wurden zusammengefasst).

Die M-RNA Impfung, die vermutlich kommt: Was ist neu? Einfluss auf die Gene? Krebsgefahr? Wann ist die Abschätzung möglich? Würden Sie Ihre Familie impfen lassen?

Michael Hocke: Sofern in der Fragestellung die Sars-CoV2-Impfung gemeint ist: Derzeit arbeiten verschiedene Forscherteams an der Herstellung eines geeigneten Impfstoffes. Dabei soll sichergestellt werden, dass der Impfstoff in der Lage ist, das menschliche Immunsystem so zu aktivieren, dass ein echter Virus aktiv erkannt und zerstört werden kann. Der herzustellende Impfstoff soll also eine Abwehrreaktion hervorrufen, selbst jedoch keine krankmachende Wirkung haben. Um dies zu gewährleisten, existieren Sicherheitsprüfungen, deren erfolgreiche Testung Voraussetzung einer Impfstofffreigabe ist.

Die Testungen schließen aus, dass das menschliche Genom von der Impfung beeinflusst wird. Auch für eine erhöhte Krebsgefahr gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Die Impfung ist vielmehr eine kontrolliert herbeigeführte Infektion mit dem Erreger, bei der die krankmachende Wirkung ausbleibt.

Natürlich wartet meine ganze Familie auf die Zulassung eines Impfstoffes und wir werden uns schützen, sobald wir können.

Warum besteht eine Maskenpflicht trotz WHO-Empfehlung? Der Nutzen ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Keine Maskenpflicht: Österreich; Dänemark; Schweiz; Finnland; Bulgarien; UK (teilweise); Niederlande. Warum gibt es die Maskenpflicht, wenn nichts vor der Infektion schützt? Warum hat Österreich die Maskenpflicht zum 15. Juni aufgehoben? Die Tschechei folgt zum 1. Juli und wir laufen bei der Hitze damit rum und schädigen unser Immunsystem?

Michael Hocke: Laut Weltgesundheitsorganisation WHO besteht meines Wissens aktuell noch immer eine Empfehlung zum Tragen von Masken in engen Räumen und darüber hinaus ab einem Alter von über 60 Jahren. Eine allgemeine Verunsicherung ist nachvollziehbar, da zu einem frühen Stadium der Pandemie die Maßnahme zum Tragen von Masken als unsicher eingeordnet wurde. Von dieser Einschätzung ist die WHO allerdings inzwischen schon lange abgekommen. Die Wirksamkeit der Masken liegt im Fremdschutz: Dabei handelt es sich um eine reine Maßnahme zur Verminderung von Ansteckungsketten und zur Eindämmung einer Virusausbreitung. Natürlich kann eine Ansteckung nicht sicher verhindert werden – es wird dem Virus durch die Maskenpflicht jedoch schwer gemacht über eine sogenannte Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Damit steigt die Chance, mögliche Neuinfektionen so gering wie möglich zu halten. Eine komplette Verhinderung der Ansteckung würde dagegen nur in voller Schutzkleidung möglich sein, wie wir sie tragen, wenn wir die Isolationsstation betreten.

Warum durch Tragen einer Maske das Immunsystem geschädigt werden sollte, erschließt sich mir nicht und es gibt dafür auch keinen Beleg.

Jedes Land bewertet die Maßnahmen für sich. Ich halte die für uns getroffene Entscheidung für richtig. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung kann leider nur rückblickend herausfinden, ob diese Maßnahme so sinnvoll war, wofür ich sie halte. Der Verlauf und die aktuellen Infektionsraten in Deutschland sprechen bisher für den richtigen Umgang mit der Pandemie.

Wieso wurde auf ZDF (Sendung am 16. Juni) im Interview mit Herrn Spahn und Dr. Drosten erklärt, dass der Maskenschutz nichts bringt?

Michael Hocke: Ich habe die Sendung nicht gesehen, daher kann ich dazu nichts sagen. Dass der Maskenschutz als Maßnahme des Bundes in Deutschland bislang aufrechterhalten wurde, macht aus meiner Sicht Sinn.

Warum wird das Statement der WHO, Masken seien gesundheitsschädlich, weiterhin missachtet? Seit Kalenderwoche 16 ist die Pandemie laut RKI offiziell beendet. Warum wird dies nicht in der Praxis angewendet?

Das RKI gab bekannt, dass seit KW 16 (Mitte April) kein SarsCov2 mehr nachgewiesen werden konnte. Warum werden trotzdem alle Maßnahmen beibehalten?

Michael Hocke: Weder die erste noch die zweite Aussage sind für mich nachvollziehbar. Die WHO hat die eindeutige Empfehlung zum Tragen von Masken gegeben. Eine Aussage über eine Beendigung der Pandemie seitens des Robert-Koch-Institutes existiert nicht. Die 16. Kalenderwoche war lediglich der Zeitpunkt, an dem die Zahlen der Covid-19-Infektionen in Deutschland erstmals nicht mehr angestiegen sind. Das heißt, dass die Zahl der Neuinfektionen nicht mehr höher war als am Vortag. Die Viren werden jedoch nach wie vor in Deutschland nachgewiesen und es gibt auch immer noch aktiv und neu erkrankte Menschen, auch wenn deren Zahl deutlich rückläufig ist.

Wie lange sollen denn diese Maßnahmen weitergehen, wann können endlich diese Masken abgeschafft werden? Sie haben doch selbst gesagt, der Virus ist so klein, dass man ihn nicht sehen, schmecken usw. kann.

Michael Hocke: Die Frage kann ich nicht beantworten, weil ich kein Entscheidungsträger für die öffentlichen Maßnahmen bin. Aus dem Verlauf heraus halte ich es für absolut richtig, dass einst getroffene Maßnahmen auch wieder gelockert werden. Diese Lockerung sollte jedoch unter strenger Beobachtung der daraus resultierenden Wirkung stehen.

Sobald sich ein Anzeichen ergibt, dass die Lockerungen dazu führen, dass Menschen in einem größeren Ausmaß nicht mehr geholfen werden kann und das Gesundheitssystem überfordert wird, muss auch mit dem Gegenteil gerechnet werden. Aus diesem Grunde ist es auch sinnvoll, nicht sofort zur Normalität zurückzukehren, sondern dies schrittweise zu tun – wohl wissend, dass dieser Prozess nicht immer ganz gleichmäßig verläuft.

Wo bleiben die großen Epidemieauswirkungen nach den zahlreichen Massendemos ohne Hygieneregeln?

Michael Hocke: Demonstrationen wurden erst wieder erlaubt, als die Zahlen der Neuinfektionen bereits rückläufig waren. Wenn Menschen sich in großem Stil nicht mehr vorsichtig verhalten, kann ich nur hoffen, dass dies auch so bleibt.

Die WHO sagt eindeutig, dass symptomfreie Menschen keine Überträger sind.

Warum bleiben die Maßnahmen trotzdem?

Michael Hocke: Die WHO sagt dies nicht – es existiert darüber lediglich die Aussage einer wissenschaftlichen Arbeit, die das Risiko von asymptomatischen Patienten zur Übertragung für geringer hält als von symptomatischen Patienten. Zur letzten Gruppe zählen auch Patienten, die nur geringe Symptome wie etwa Kopfschmerzen aufweisen. Deshalb ist es schwer, asymptomatische Patienten zu definieren. Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass eine Übertragung von asymptomatischen Patienten auf Personal stattgefunden hat. Dies untermauert, dass auch asymptomatische Träger der Erkrankung andere Menschen anstecken können.

Warum gibt es keine Aufklärung der Bevölkerung darüber, wie man das Immunsystem stärkt, damit das Virus nicht ausbricht bzw. die Symptome oder der Verlauf gelindert wird? Anstatt auf Impfungen/Medikamente zu warten, die eingesetzt werden, wenn es zu spät ist?

Michael Hocke: Die dazu erforderlichen Maßnahmen sind einfach und vielleicht deshalb nicht im Bewusstsein: eine gesunde Lebensweise mit gesunder Ernährung, sportlicher Betätigung und ohne Konsum von Alkohol, Nikotin und Drogen. Darüber gibt es sehr viel Informationsmaterial und Aufklärungskampagnen, etwa auf Zigarettenschachteln. Zudem kläre ich bei jedem Arztgespräch persönlich meine Patienten immer wieder darüber auf.

Warum wird nur auf einen Virologen gehört – Dr. Drosten, dessen Charité nachweislich ca. 250 000 Dollar von der Bill & Melinda Gates Stiftung bekommen hat? Und warum werden alle anderen, wie Dr. Bhakdi, Dr. Wodarg, Dr. Schiffmann und viele andere nicht gehört und sogar in YouTube zensiert?

Also haben Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Dr. Wodarg und viele andere namhafte Ärzte Unrecht, wenn sie sagen, dass die Erkrankung gar nicht aufgefallen wäre, hätte man nicht getestet.

Warum werden Experten wie etwa Dr. Wodarg oder Dr. Bhakdi nicht gehört? Aus Angst vor der Wahrheit?

Michael Hocke: Die Entscheidungsträger lassen sich immer von vielen Wissenschaftlern beraten. Dazu gehört stets eine ganze Gruppe von Menschen und insbesondere bei Covid sind es weltweite Ergebnisse, die erhoben und zusammengetragen werden. Dies ist leicht nachvollziehbar, wenn Sie in einer wissenschaftlichen Datenbank das Thema eingeben. Aus all diesen Erkenntnissen erstellen Wissenschaftler ein Bild der Erkrankung und geben Tipps, wie am besten damit umzugehen sein sollte. Natürlich herrschen auch in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen mit unterschiedlichen Begründungen. Diese werden in jeder wissenschaftlichen Arbeit diskutiert. Um also fundierte und glaubhafte Aussagen treffen zu können, ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema erforderlich. Die Aufgabe der Politik ist es, die Erkenntnisse des großen Anteils der aktiv arbeitenden Wissenschaftler als Grundlage für ihre Entscheidung zu nehmen und ihre Politik nicht an Einzelmeinungen festzumachen. Dies ist nachweislich geschehen.

Die Aussage – sofern hier richtig zitiert – , dass „die Erkrankung gar nicht aufgefallen wäre, hätte man nicht getestet“, ist aus meiner Sicht falsch. Die Erkrankung Covid-19 unterscheidet sich erheblich von anderen Viruserkrankungen, die wir bisher kennen. Uns wäre spätestens in unserem Haus bei Behandlungen aufgefallen, dass es sich um eine neue Erkrankung handelt, wenn wir den ersten Patienten mit einer vollständig flüssigkeitsgefüllten Lunge und fünf Wochen am Beatmungsgerät gesehen hätten. So ein Krankheitsbild gab es bisher nicht. Es wäre unverantwortlich gewesen, diese Fälle zu ignorieren.

Warum dürfen Zahnärzte arbeiten, die genau am „Herd“ (Mund) arbeiten, wenn der Virus so gefährlich ist?

Michael Dr. Hocke: Zahnärzte sind für einen wichtigen Teil der Gesunderhaltung des Menschen verantwortlich. Es wäre unverantwortlich, das Gebiet der Zahnmedizin für einen längeren Zeitraum auszusetzen. Aus diesem Grunde mussten Zahnärzte auch während der Pandemie weiterarbeiten. Natürlich haben sich die Kollegen durch vorheriges Befragen der Patienten und durch Aufsetzen von Masken geschützt. Dass es hier aber insbesondere in der Anfangszeit der Pandemie Probleme durch mangelndes Schutzmaterial gab, ist unumstritten.

Warum wurden die ganzen restriktiven Maßnahmen erst eingeführt, als die Fallzahlen schon wieder im Sinken waren?

Michael Hocke: Das ist meiner Kenntnis nach nicht richtig. Der Lockdown erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die Infektionszahlen in Deutschland anstiegen.

Wieviel Zuschuss bekommt das Klinikum für einen Corona-Patienten?

Michael Hocke: Der Aufwand, der in den Krankenhäusern und im Gesundheitswesen insgesamt durch die Corona-Pandemie entstanden ist, hat vielfältige Ursachen: die Behandlung von Corona-Patienten, die Freihaltung von Intensivkapazitäten, die Verschiebung nicht notwendiger Operationen und weitere Maßnahmen. Hierzu gibt es unterschiedliche Finanzierungsmodelle, die entstandene Nachteile ausgleichen sollen. In welchem Umfang die Maßnahmen und Einschränkungen der laufenden Pandemie refinanziert werden, werden wir erst am Ende des Jahres wissen.

Was wird beim PCR-Test gemessen?

Michael Hocke: Die Eiweißzusammensetzung des SARS-CoV-2-Virus.

Sind Sie sicher, dass die Tests tatsächlich genau sind?

Michael Hocke: Ja, denn im PCR-Test wird eine spezifische Viruseiweißkette gemessen, deren Nachweis zu 98 Prozent genau getroffen werden kann.

Gibt es die Möglichkeit der Kreuzreaktion?

Michael Hocke: Eine geringe Chance, dass andere Coronaviren durch diesen Test erfasst werden könnten, existiert natürlich. Allerdings ist sie aufgrund der Geringfügigkeit in der täglichen Praxis zu vernachlässigen.

Die Zahl der falsch-positiven Ergebnisse steigt mit der Anzahl der gemachten Tests. Damit lässt sich die Zahl der Neuinfektionen doch beliebig steigern.

Michael Hocke: Trotz einer hohen Testtätigkeit steigt die Zahl der Neuinfektionen nicht mehr. Dies widerspricht also der geäußerten Befürchtung. In unserem Klinikum sind knapp 2000 Tests durchgeführt worden – hiervon waren lediglich 77 positiv. Auch dies sollte der oben genannten Besorgnis entgegenstehen. Seit etwa zwei Wochen haben wir im Helios-Klinikum trotz fortgesetzter Abstriche keine neu positiven Testergebnisse mehr.

Falsche positive PCR-Testergebnisse?

Können PCR-Tests des RKI sicher in Betrieben wie Tönnies Anwendung finden?

Michael Hocke: Die falsch positive Testrate der PCR ist zwischen einem und zwei Prozent anzusiedeln. Das bedeutet, der Test ist zu 98 bis 99 Prozent richtig. Da bei diesem Test hochspezifisch eine Viruseiweißkette nachgewiesen wird, ist der Test natürlich auch in den Betrieben der Fleischindustrie wichtig und sinnvoll.

Warum werden bei abfallender Kurve die Einschränkungen erhöht?

Michael Hocke: Die Einschränkungen werden bei abfallender Kurve nicht erhöht. Im Gegenteil: Viele Einschränkungen wurden bereits wieder aufgehoben. Hierbei mit Maß vorzugehen ist sicher richtig, wenn man den aktuellen Verlauf in den USA oder die Geschehnisse in der Fleischindustrie betrachtet. Bei lokalen Ausbrüchen werden lokale Maßnahmen verschärft.

Wie hoch war die Auslastung vom Krankenhaus, während der Corona-Krise? Zum Beispiel Station 4.3/4.4 etwa zwei Wochen vor Pfingsten?

Michael Hocke: Die Angabe von Stationsauslastungen während der Corona-Krise, also zu einer Zeit, in der wir nicht notwendige Operationen verschoben und bewusst weniger Patienten aufgenommen haben, hat keine Aussagekraft. Allgemein haben wir seit Januar durch Corona rund ein Zehntel weniger Patienten behandelt als im Vorjahr.

Warum sind Leute in Quarantäne und dürfen im medizinischen Bereich arbeiten?

Michael Hocke: Wie bereits auf der Marktdiskussion dargelegt und auch nochmals in einem Presseartikel klargestellt, durfte medizinisches Personal, das Kontakt zu Infizierten hatte, nur weiterarbeiten, wenn es keine Symptome aufwies, um dadurch den Krankenhausbetrieb für die Versorgung der Patienten am Laufen zu halten. Zeitgleich haben wir die betroffenen Mitarbeiter getestet und in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt bis zum Ergebnis vorsorglich in eine häusliche Quarantäne geschickt, um im Falle einer Ansteckung das Virus nicht im öffentlichen Raum zu verbreiten. Während des genannten Zeitraumes wurden die betroffenen Mitarbeiter engmaschig überwacht. Sofort vom Dienst ausgeschlossen wurden positiv auf Covid-19 getestete Mitarbeiter sowie Mitarbeiter mit Symptomen, auch wenn das Testergebnis auf Covid-19 negativ ausfiel.

Gibt es die Möglichkeit der Bildung von Antikörpern bzw. eines Immunschutzes gegen Corona? Wäre dann eine solche natürliche Immunität sinnvoll?

Michael Hocke: Wir gehen davon aus, dass die Patienten, die nach einer Infektion positive Antikörper gebildet haben, jetzt für einen längeren Zeitraum gegen das Virus immun sind. Wie lange genau der Schutz anhält, weiß man nicht. Bisher gibt es noch keinen Bericht einer Reinfektion bei aktiven positiven Antikörpern, die bereits bei einigen ehemals Infizierten nachgewiesen wurden.

Erklären Sie doch mal, wann das Immunsystem beim Menschen ausgebildet bzw. entwickelt wird. Wollen Sie unsere Kinder als kleine Zombies heranwachsen lassen?

Michael Hocke: Das Immunsystem bildet sich mit der Embryonalentwicklung aus und wird dann durch Kontakt mit der Umwelt trainiert. Dies wird durch Impfungen nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil: Eine Impfung ist nichts als ein weiteres Training des Immunsystems gegen krankheitsmachende Erreger mit dem Unterschied, dass die Erkrankung hierbei nicht durchlitten werden muss. Das ist auch für Kinder durchaus positiv zu bewerten.

Zu welcher Zeit war das Klinikum überfordert?

Michael Hocke: Glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt. Die Monate April und Mai enthielten jedoch auch Zeitpunkte, an denen wir überlegen mussten, die erste Eskalationsstufe des Katastrophenplanes auszulösen. Letztlich konnten wir dies jedoch vermeiden und durch ein gut funktionierendes Krisenmanagement umgehen.

Wer trägt die Verantwortung für die Kollateral-Toten?

Öffentliche Medien machen der Bevölkerung Angst, sodass Krankenhäuser nicht ausgelastet sind, OPs verschoben wurden.

Es gab fast mehr Tote wegen Corona-Nebenfolgen.

Die DAK sagt: weniger Herzinfarkte. Wie viele Tote wird es wegen verschobenen OPs usw. geben?

Michael Hocke: Konkrete Angaben zu Zahlen über die Nachwirkung der Einschränkungen gibt es bislang nicht und sind auch schwer abschätzbar.

Inwieweit die Angst davor, während der Pandemiephase zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen, oder andere Faktoren Patienten außerhalb des Klinikums gefährdet haben, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Unsere Notaufnahme und der überwiegende Klinikbetrieb sind in der zurückliegenden Zeit immer arbeits- und aufnahmefähig gewesen. Wären die Maßnahmen der Regierung nicht ergriffen worden wären und hätten wir dadurch Verhältnisse wie in Italien oder Spanien bekommen, hätte dies auch bei uns im Klinikum sicher anders ausgesehen.

Auch während der Krise blieb die Weiterbehandlung von akut erkrankten Patienten unverändert. Verschoben wurden lediglich Patientenbehandlungen, deren Verschiebung nicht wesentlich den Gesundheitszustand des Betroffenen verschlechtert hat (zum Beispiel Hüftgelenksprothesenoperation).

Wie kann es sein, dass ein PCR-Test, der nicht validiert ist, der angeblich Sars-Cov-2-Viren nachweist, der vor Ungenauigkeit und Fehlerquote nur so strotzt (was Drosten selbst gesagt hat) zugrunde gelegt wird, um in diesem Land angeblich Infizierte und sogenannte Fallzahlen zu belegen? Angst, Panik und Schrecken zu verbreiten, Grundrechte und das Grundgesetz außer Kraft zu setzen, 800 000 alte Menschen in Heimen wegzusperren, gegen ihren Willen zu separieren und die Schulpflicht für viele Wochen außer Kraft zu setzen?

Ein PCR-Test ist nicht dazu geeignet, Infektionen nachzuweisen. Dies sagte der Erfinder bzw. Entwickler der PCR-Tests explizit selbst, das war 1983 der Biochemiker Kary Mullis.

Michael Hocke: Unabhängig von Sars-Cov-2 ist eine PCR-Untersuchung Standard für viele Erkrankungen in der modernen Medizin und der einzig verfügbare Test für den Nachweis einer aktiven Viruserkrankung. Dies ist nicht nur meine Meinung, sondern die Meinung der Mediziner auf der ganzen Welt. Die Maßnahmen, die ergriffen worden sind, um uns vor einer schweren Infektionswelle, einer schweren Erkrankung zu schützen, sind absolut gerechtfertigt gewesen und haben vielen Menschen das Leben gerettet.

Warum gibt es keine Prävention wie die Verteilung von Vitamin D, um das Immunsystem zu stärken?

Michael Hocke: Eine Prävention erfolgt im Sinne der Abstandsregel und der Empfehlung zum Händewaschen. Vitamin D hat keinen Stellenwert in der Prävention, da es eine Infektion nicht verhindert.

Hat jemand von Ihnen schon einmal mit direkt betroffenen Angehörigen von Covid-19 Erkrankten gesprochen – was die erleben mussten?

Michael Hocke: Im Verlauf der Corona-Pandemie habe ich mit sehr vielen Erkrankten und deren Angehörigen Kontakt gehabt. Die Auswirkungen der erwähnten Einschränkungen auf Patienten sind uns nicht neu. Wir haben diese schon immer bei vergleichbaren Infektionserkrankungen gehabt – beispielsweise bei Patienten mit einer offenen Tuberkulose oder einer Norovireninfektion.


Die Antworten auf Fragen zum Bürgerforum vom 26. Juni 2020 - Teil 1 finden Sie unter diesem Link.


Die Antworten auf Fragen zum Bürgerforum vom 26. Juni 2020 - Teil 2 finden Sie unter diesem Link.


Die Antworten auf Fragen zum Bürgerforum vom 26. Juni 2020 - Teil 3 finden Sie unter diesem Link.