Rückblick: Verbiss- und Schälinventur 2019 im Landkreis

Der momentane Zustand sowie die Zukunft des heimischen Waldes standen Anfang Februar im Blickpunkt einer Informationsveranstaltung, zu welcher die Untere Jagdbehörde des Fachdienstes Ordnung und Straßenverkehr des Landratsamtes eingeladen hatte. Susanne Reum, hauptamtliche Beigeordnete sowie Fachbereichsleiterin Ordnung und Sicherheit, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer im Saal des Landratsamtes in Meiningen und verdeutlichte einleitend die Bedeutsamkeit gesunder Waldbestände sowie auch die dringende Notwendigkeit, diese für uns und alle zukünftigen Generationen zu erhalten und nachhaltig zu verbessern.

Die Vorstellung des forstlichen Gutachtens erfolgte durch Dr. Dominik Hessenmöller, Forstamtsleiter des Thüringer Forstamtes Schmalkalden, welcher den interessierten Zuhörern anhand der Präsentation zur „Verbiss- und Schälinventur 2019“ sowohl die Verfahren bei der Begutachtung der Referenzflächen als auch die daraus resultierenden Ergebnisse mittels statistischer Auswertungen näher brachte. Die stichprobenhafte Erfassung der Schäle erfolgte in den Monaten März und April 2019 auf 88 Probeflächen, die Verbissinventur auf weiteren 322 Probeflächen, wobei diese sich auf der gesamten Fläche des Landkreises verteilten. Hauptbaumarten sind weiterhin die heimische Fichte mit über 50 Prozent, die Buche mit nahezu 25 Prozent sowie die Kiefer mit 17 Prozent des Gesamtwaldes.

Besorgniserregend ist aus Sicht des Forstfachmannes die Erkenntnis, dass das erforderliche waldbauliche Ziel eines Mischwaldes durch Verbiss und Schäle immer mehr in Gefahr gerät. Vor allem Misch- und Begleitbaumarten, welche selbst nur einen geringen Prozentsatz des Gesamtbaumbestandes ausmachen, unterliegen einem sehr starken Selektionsdruck durch das heimische Wild. Die Auswertung zum Verbiss der Naturverjüngung zeigt darüber hinaus deutlich, dass es starke Schwankungen zwischen Staatswald, Kommunalwald und Privatwald gibt und bereits jetzt davon auszugehen ist, dass in 30 Prozent aller Mischbestände das Verjüngungsziel nicht erreicht wird. Ein direkter Zusammenhang wird seit Jahren in der Dichte an verbeißendem Schalenwild gesehen, welche weiterhin zu hoch ist. Die Ergebnisse der Inventur zeigen deutlich, dass von einer Reduktion der Schalenwilddichte in den vergangenen Jagdjahren flächig nicht auszugehen ist.

7 von 10 Fichten geschält

Die Schäle im Landkreis befindet sich ebenfalls auf einem Allzeithoch, wobei ermittelt wurde, dass inzwischen bereits 7 von 10 Fichten geschält und somit dauerhaft geschädigt sind. Die daraus resultierenden Konsequenzen sind in Form von destabilen und vertrockneten Waldflächen, welche ein hervorragendes Angriffsziel bei Stürmen oder auch einen Borkenkäferbefall bieten, bereits jetzt überdeutlich spürbar. Dies bedeutet in Summe, dass ein ordnungsgemäßer Waldumbau aufgrund der ermittelten Schälschäden kaum und in vielen Bereichen gar nicht möglich ist und darüber hinaus als unmittelbare Folge eine Entwertung des Baumstammes erfolgte. Diese Erkenntnisse sollten Waldeigentümer bewusst sein und auch die Notwendigkeit, unter Zuhilfenahme einer qualifizierten und erfolgsorientierten Jagdausübung ihr Eigentum zu bewahren und zu schützen. Das Fazit der Begutachtung für den Forstamtsleiter war offenkundig und eindeutig: „Die Wildbestände in vielen Wäldern des Landkreises sind deutlich zu hoch und fortwährende Wildschäden gefährden die ökonomische und ökologische Zukunft des Waldes und vieler Forstbetriebe“, sagte Forstamtsleiter Dr. Hessenmöller. Eine erfolgreiche und zukunftsfähige Forstwirtschaft ist unmittelbar mit waldverträglichen Wildbeständen verknüpft und diese sind nur mit geeigneten Jagdmethoden und motivierten Jagdausübungsberechtigten zu erreichen.

In der anschließenden Gesprächsrunde bot sich allen Anwesenden die Möglichkeit, die Ergebnisse zu hinterfragen, aber auch eigene Standpunkte und Meinungen zu erläutern. In der sachlich geführten Diskussion gab es viel Zustimmung, aber auch kritische Stimmen wurden immer wieder laut. Vordergründig wurden hier differenzierten Bejagungsstrategien durch die jeweiligen Jagdpächter mit den Vor- und Nachteilen ebenso thematisiert, wie die unterschiedlichen Wahrnehmungen zum Allgemeinzustand des Waldes. Auch seine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion sowie die daraus erwachsenden Rechte und Pflichten wurden beleuchtet, ebenso wie die mit unserer Region eng verbundene touristische Bedeutung.

Alle Anwesenden empfanden die dargebotene Veranstaltung als willkommene Plattform zur Informationsgewinnung, zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch oder zur eigenen Meinungsbildung. Das die neben Thüringen Forst bestehenden 120 Eigenjagdbezirke und 134 Gemeinschaftsjagdbezirke sich keine einheitliche Meinung zum momentanen Zustand sowie einer perspektivischen Vorgehensweise bilden und zukünftig vertreten werden, ist allen Beteiligten klar. Am Ende war man sich trotz allem einig:

Es ist gerade in dieser Zeit, mit den vorherrschenden klimatischen Veränderungen und zunehmenden äußeren Beeinflussungen, eine Mammutaufgabe, die nur mit dem Willen eines jeden Einzelnen, einem Grundsatzverständnis zur Notwendigkeit der Maßnahmen und einer konstruktiven und zielführenden Zusammenarbeit aller in Angriff genommen und erfolgreich weitergeführt werden kann.

Foto: Forstamtsleiter Dr. Dominik Hessenmöller präsentiert im Saal des Landratsamtes die   Ergebnisse der Verbiss- und Schälinventur.