Jugendberufsagentur im Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Gemeinsam unterzeichneten heute Landrätin Peggy Greiser, Wolfgang Gold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Suhl sowie Michael Kaufmann, Schulamtsleiter Südthüringen, eine Kooperationsvereinbarung für eine neue Jugendberufsagentur im Landkreis.

Die Jugendberufsagentur setzt sich für die verbesserte berufliche, soziale und ge-sellschaftliche Integration aller jungen Menschen ein. Hintergrund der von allen beteiligten Partnern gemeinsam initiierten Kooperation war es, vor allem jüngere Menschen zu erreichen, die teils noch nicht oder aufgrund bedarfsdeckenden Einkommens wie Kindergeld und Unterhalt nicht mehr durch die Arbeitsvermittlung des Kommunalen Jobcenters betreut werden. „Hilfen zur individuellen Unterstützung und beruflichen Orientierung müssen frühzeitig ansetzen und bei Bedarf auch rechtskreisübergreifend organisiert werden“, erläutert Steffi Ebert, Fachbereichsleiterin des Kommunalen Jobcenters Schmalkalden-Meiningen. „Wenn die Jugendlichen mit Vollendung des 15. Lebensjahres in die Arbeitsvermittlung des SGB II-Leistungsträgers zugeordnet werden, haben sich häufig Probleme schon manifestiert, zum Beispiel unregelmäßige Schulbesuche mit einem daraus resultierenden schlechten Notenspiegel, der einen geordneten Schulabschluss gefährdet, wenn nicht sogar unmöglich macht. Hier so früh wie möglich anzusetzen und mit gezielten Hilfen zu unterstützen, ist der gemeinsame Auftrag aller Partner in der Jugendberufsagentur“, so Ebert weiter.

Potential nutzen

Aktuelle statistische Zahlen untermauern die Notwendigkeit dieses Schrittes, eine Ju-gendberufsagentur zu realisieren. „Im April diesen Jahres waren 199 Jugendliche unter 25 Jahren im Landkreis Schmalkalden-Meiningen arbeitslos, davon 78 in der Agentur für Arbeit und 121 im Kommunalen Jobcenter - ein Potential, das nicht verschenkt werden darf“, stellte Wolfgang Gold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Suhl fest. Und Steffi Ebert vom Kommunalen Jobcenter ergänzt: „Von den 121 im Kommunalen Jobcenter gemeldeten arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 25 Jahren hat fast die Hälfte keinen Schulabschluss und 107 Personen der Zielgruppe verfügen über keine abgeschlossene Berufsausbildung.“

Vielfältige Berufsorientierung

Oftmals existieren bereits Hilfen, die den Übergang von der Schule in eine Ausbildung begleiten, so unter anderem in den Schulen. Hier werden Jugendliche insbesondere in den letzten Schuljahren durch vielfältige Maßnahmen bei ihrem Übergang von der Schule in eine Ausbildung und das Erwerbsleben unterstützt. Sie sollen Berufe und Berufsbilder kennenlernen und nehmen dafür an zahlreichen Maßnahmen der beruflichen Orientierung in Form von Berufsfelderkundungen, Berufsfelderprobungen, Schülerbetriebspraktika und Betriebsbesichtigungen teil. Fachübergreifende Kompetenzen, noch verborgene Talente und persönliche Interessen werden mittels einer differenzierten Potenzialanalyse entdeckt und Entwicklungen angestoßen. Darüber hinaus werden den Schülern Entdeckungsreisen in ortsansässige Unternehmen, Tage der Berufe sowie Beratungen durch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, Übergangskoordinatoren und Berufseinstiegsbegleiter im schulischen Kontext angeboten.

„Doch manchmal reichen all diese Maßnahmen nicht aus und weitere Partner werden zur Gestaltung des Übergangs benötigt“, erklärt Schulamtsleiter Michael Kaufmann. „Im Rahmen der Jugendberufsagentur haben wir künftig ein Instrument, mit dem nicht jeder einzeln, sondern alle Partner gemeinsam den Entwicklungsweg der Jugendlichen, besonders aber der förderungsbedürftigen jungen Menschen von der Schule über die Ausbildung bis zum Einstieg in das Erwerbsleben unterstützen können“, betont Kaufmann.

Junge Menschen unterstützen

Erklärtes Ziel der Kooperationspartner ist es, im Rahmen eines rechtskreisübergreifenden Fallmanagements Schulabbrüchen bzw. Schulabgängen ohne regulären Schulabschluss vorzubeugen und den Entwicklungsweg von allen, speziell aber von besonders förderungsbedürftigen, jungen Menschen, von der Schule über die Ausbildung bis hin zum Einstieg in das Erwerbsleben zu unterstützen. „Die gemeinsame, transparente Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist ein wesentlicher Garant für das Gelingen der Jugendberufsagentur“, sagt Landrätin Peggy Greiser und führt weiter aus: „Wir möchten die jungen Menschen befähigen, ihr Leben möglichst selbständig und eigenverantwortlich zu gestalten.“

Die Kooperationsvereinbarung bildet den Rahmen für ein ganzheitlich orientiertes Informations-, Qualifizierungs-, Beratungs- und Begleitungsangebot mit dem Ziel, eine abgestimmte Unterstützungsleistung und bedarfsgerechte Maßnahmen zu ermöglichen.

Enge Zusammenarbeit

Der Jugendberufsagentur liegt die Idee zugrunde, die Kompetenzen der zuständigen Kooperationspartner Agentur für Arbeit, Jobcenter, Jugendhilfe und Schulamt enger zu verzahnen und zu koordinieren. Junge Menschen sollen so „wie aus einer Hand“ unterstützt werden. Handlungsschwerpunkte werden entlang regionaler und lokaler Handlungsbedarfe und Rahmenbedingungen gesetzt. Jeder Partner übernimmt im Rahmen der Kooperation seine originären Aufgaben und leistet seinen Beitrag für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Durch den Aufbau gemeinsamer Strukturen am Übergang Schule – Beruf sowie durch gemeinsame Abstimmung von Vorhaben und Förderungen sollen Betreuungslücken geschlossen und junge Menschen gezielt und wirksamer unterstützt werden. Entscheidungen werden von den Partnern ausschließlich im gegenseitigen Einvernehmen getroffen. „Die Agentur für Arbeit übernimmt hier die Aufgaben der beruflichen Orientierung, der Berufsberatung einschließlich Reha-Beratung, die Ausbildungsstellenvermittlung sowie notwendige Förderungen“, erklärt Gold. „Das Kommunale Jobcenter unterstützt jeden Leistungsempfänger in Bezug auf seine berufliche Integration und bietet geeignete Unterstützungsangebote an. Mit der Agentur für Arbeit arbeiten wir in den Bereichen Berufsberatung und Rehabilitation bereits eng zusammen. Diese positive Kooperation möchten wir im Rahmen der Jugendberufsagentur nun auch mit den anderen Netzwerkpartnern etablieren“, unterstreicht Ebert, Fachbereichsleiterin des Kommunalen Jobcenters Schmalkalden-Meiningen.

 

Foto (v.l.): Gemeinsam unterzeichneten Michael Kaufmann, Schulamtsleiter Südthüringen, Landrätin Peggy Greiser und Wolfgang Gold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Suhl die Kooperationsvereinbarung für die erste Jugendberufsagentur im Landkreis.