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Gelungene Dialogkonferenz: Inklusion nimmt uns in unseren Stärken wahr!

Die Dialogkonferenz des Landkreises Schmalkalden-Meiningen zur „Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)“ erfreute sich großer Resonanz. So kamen jüngst 60 Personen aus dem gesamten Landkreis im Saal des Landratsamtes in Meiningen zusammen, um sich zu informieren und erste Ziele und Maßnahmen für einen kommunalen Aktionsplan im Landkreis Schmalkalden-Meiningen zu formulieren.

Betroffene, Angehörige und Akteure aus den Interessenvertretungen, dem Behindertenverband, den Behindertenbeiräten, dem Sozialverband VdK, der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB), dem Jobcenter, verschiedenen Fachdiensten, die Seniorenbeauftragte der Stadt Meiningen, Vertreter des Staatlichen Schulamtes, von Kindertagesstätten, Schulen, Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie Angeboten der Eingliederungshilfe diskutierten gemeinsam über Visionen und Herausforderungen auf dem Weg zu Barrierefreiheit und Inklusion. 

Hintergrund der Dialogkonferenz war die gesetzliche Vorgabe, dass Landkreise und kreisfreie Städte in Thüringen Kommunale Maßnahmen- und Aktionspläne zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention erstellen müssen.

Nur Inklusion kommt mit den Unterschieden klar!

Um sich gemeinsam auf den Weg zu machen, begann die Dialogkonferenz mit dem Musikvideo des Chorprojektes von „Blind Foundation“, welches über diesen YouTube-Link abrufbar ist.

Landrätin Peggy Greiser begrüßte zusammen mit dem Thüringer Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen (TLMB), Joachim Leibiger, die Gäste. „Wir haben sicher schon das eine oder andere erreicht, wie beispielsweise den barrierefreien Umbau vieler unserer Schulen, der Volkshochschule und unserer Verwaltungsgebäude; auch die Ausrichtung der Nationalen Para Olympics zu Beginn dieses Jahres in Oberhof hat viele Menschen sensibilisiert, doch es ist noch viel zu tun. Eine Bestands- und Bedarfsaufnahme ist also weiterhin erforderlich. Dafür können wir die Dialogkonferenz nutzen“, sagte Landrätin Peggy Greiser. Es sei wichtig ein Bewusstsein dafür zu schaffen, zumal Erleichterungen allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekämen, nicht nur Menschen mit Behinderungen. 

Der Landesbehindertenbeauftragte Leibiger stellte fest, wie wichtig es sei, dass der Landkreis jetzt wieder eine hauptamtliche Behindertenbeauftragte habe. „Bei Barrierefreiheit und Inklusion dürfen wir nicht nur an Menschen mit Behinderungen denken, es erleichtert allen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ich bin froh, dass der Landkreis das Thema als so bedeutend ansieht“, sagte der Landesbeauftragte.

Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Die Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, Tamara Wedel, stellte die geplanten  Eckpunkte zur Erstellung des Kommunalen Aktionsplans vor. Eine erste Aufgabe war die Priorisierung der Handlungsfelder. Fünf Handlungsfelder wurden als aktuell wichtigste Themen ausgewählt. Nähere Informationen dazu finden sich auf der Homepage des Landkreises unter “Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte”.

Wen betrifft der Aktionsplan hier im Landkreis? Dazu sagte Tamara Wedel: „Laut unserem aktuellen Sozialbericht sind 11,78 Prozent der Einwohner im Landkreis Schmalkalden-Meiningen schwerbehindert mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 im Sinne des Sozialgesetzbuchs IX. Zum Stichtag 31. Dezember 2021 waren dies im Landkreis Schmalkalden-Meiningen insgesamt 14.461 Personen“.

Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch

Anschließend berichtete die Behindertenbeauftragte des Wartburgkreises, Nicole Briechle, von ihrem Weg zum Inklusionsplan im Wartburgkreis. Briechle stellte fest, dass die Arbeit an der Haltung in der Gesellschaft und der Politik eine wesentliche Voraussetzung sei. „Es braucht eine Haltung, damit die Vision von Barrierefreiheit und Inklusion gelingen kann“, so Nicole Briechle.

Jürgen Schmidt vom Behindertenverband des Landkreises resümierte in den anschließenden Nachfragen: „Nach über 30 Jahren Engagement in der Behindertenpolitik muss ich für mich feststellen, dass Haltung und Empathie zum Thema Behinderung in der Gesellschaft fehlen bzw. dass ich die derzeitige Entwicklung eher als rückläufig empfinde. In all den Jahren war es uns wichtig, ein Bewusstsein für die Belange von behinderten Menschen zu bilden.“

Alexander Brick von der Liga der Selbstvertretung in Thüringen merkte an, dass nur drei Prozent aller Behinderungen angeboren seien bzw. im ersten Lebensjahr auftraten. Die Mehrzahl der Betroffenen erwerbe ihre Schwerbehinderung erst im Laufe ihres Lebens. Es könne uns alle betreffen.

Im World-Café Ideen und Maßnahmen diskutiert

Im zweiten Teil der Konferenz waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefordert. An fünf Thementischen wurde gemeinsam diskutiert sowie Ideen und Ziele entwickelt. Die Thementische befassten sich mit den ausgewählten Handlungsfeldern „Arbeit und Beschäftigung“, „Bauen, Wohnen und Mobilität“, „Kultur, Freizeit und Sport“, „Bildung, Ausbildung, Kinder mit Behinderungen“ sowie „Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben, Bewusstseinsbildung“. An jedem Tisch gab es einen Ansprechpartner, der die Ergebnisse von Gruppe zu Gruppe transferierte. Die Ergebnisse konnten von jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer gleich auf der Tischdecke festgehalten werden.

„Mit den Ergebnissen haben wir jetzt eine sehr gute Grundlage für die Arbeitsgruppen, die von Juni bis August an den Zielen und Maßnahmen des Aktionsplans arbeiten werden“, zieht Tamara Wedel Bilanz. Die Behindertenbeauftragte lädt alle Interessierten zur Mitarbeit in den Arbeitsgruppen ein. Die ersten Termine stehen bereits fest.

Handlungsfeld 1 „Bildung, Ausbildung, Kinder mit Behinderungen“

03.06.24, 16.00 – 18.00 Uhr

Handlungsfeld 2 „Bauen, Wohnen, Mobilität“

05.06.24, 16.00 – 18.00 Uhr

Handlungsfeld 3 „Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben, Bewusstseinsbildung“

10.06.24, 16.00 -18.00 Uhr

Handlungsfeld 4 „Kultur, Freizeit, Sport“

12.06.24, 16.00 – 18.00 Uhr

Handlungsfeld 5 „Arbeit und Beschäftigung“

17.06.24, 16.00 – 18.00 Uhr

Interessierte können sich hierzu direkt bei Tamara Wedel melden, telefonisch unter der Rufnummer 03693/485-8290 oder per E-Mail an t.wedel@lra-sm.de.