Landrätin Peggy Greiser zeichnet vorbildliche Denkmal-Liebhaber aus

Für ihr außerordentliches Engagement um den Erhalt und Wiederaufbau denkmalgeschützter Gebäude zeichnete Landrätin Peggy Greiser am 19.11.2018 vorbildliche Eigentümer mit dem Denkmalpreis des Landkreises Schmalkalden-Meiningen aus. Insgesamt vergab die Kreischefin sieben Denkmalpreise. Die Preisträger aus Meiningen, Walldorf, Benshausen, Roßdorf, Kleinschmalkalden und Stepfershausen erhielten je eine Geldprämie von 500 Euro sowie eine entsprechende Urkunde und Plakette. Die Stadt Schmalkalden wurde mit einer Anerkennungsurkunde ausgezeichnet.

Historische Bauwerke seien erlebbare Geschichte und kulturelle Schätze, betonte Greiser in ihrer Begrüßungsrede. „Sanierte Denkmäler sind absolute Schmuckstücke in unseren Orts- und Stadtbildern. Wer sie erhält, trägt dazu bei, unsere Heimat zu bereichern.“ Was allein in diesen sieben prämierten Objekten an Sanierungsleistung, Engagement, an Liebe und an Opferbereitschaft liege, sei kaum genug zu würdigen.

Insgesamt 46 Denkmalpreise vergab der Landkreis Schmalkalden-Meiningen seit 2007 überwiegend an Privatpersonen, die sich in herausragender Weise um den Denkmalschutz und die Denkmalpflege verdient gemacht haben. „Denkmalpflege ist eine sichere Investition in die Zukunft und die beste Form der Wirtschaftsförderung überhaupt“, unterstrich Greiser. Aus diesem Grund gab der Kreistag auch 2018 Fördermittel in Höhe von 200.000 Euro für denkmalpflegerische Maßnahmen frei.

2018 hatten sich insgesamt 13 Objekte für den Denkmalpreis des Landkreises Schmalkalden-Meiningen beworben. Die Untere Denkmalschutzbehörde nahm aufgrund der Ausschreibungsrichtlinien, die jährlich im Amtsblatt veröffentlicht werden, eine erste Prüfung vor und traf eine Vorauswahl. Unter anderem prüften die Mitarbeiter, ob der entsprechende Denkmalstatus vorliegt, ob im Vorfeld die nach Thüringer Denkmalschutzgesetz erforderlichen Genehmigungen eingeholt wurden, die handwerkliche und denkmalpflegerische Qualität auszeichnungswürdig ist und bezogen natürlich auch das persönliche Engagement der Bewerber ein. Nach Prüfung all dieser Kriterien wurden die Objekte dem ehrenamtlichen Denkmalbeirat des Landkreises vorgestellt  - nun wurden sieben Objekte ausgezeichnet.

Altlandrat Peter Heimrich erhielt am Rande der Veranstaltung eine Dankesurkunde der Unteren Denkmalschutzbehörde, weil er stets hinter der Behörde gestanden und für eine Aufstockung der kreislichen Zuschüsse für Denkmalsanierungen im Kreistag stark gemacht habe.

Die Denkmalpreispräger im Überblick:

Michael Hartmann und Olaf Amm -  für die Sanierung des Wohnhauses - Kirchgasse 6 in Meiningen

Im ältesten Siedlungsgebiet der Stadt Meiningen zwischen Stadtkirche und Töpfermarkt gelegen, steht das Wohnhaus Kirchgasse 6 zurückgeht.

Einst einsturzgefährdet: Das sanierte Wohnhaus Kirchgasse 6

Der zweigeschossige Fachwerkbau, welcher im Kern auf das 17. Jahrhundert zurückgeht erlebte im Laufe der Jahrhunderte mehrere Umbauphasen. Doch erst mit der Aufstockung 1850 erhielt die Fassade auch ihre klassizistische Prägung. 1995 aus Wirtschaftlichkeitsgründen bereits als Abbruchobjekt von Stadt und Behörden abgeschrieben, harte es voll von Holzschädlingen seinem Ende entgegen. 15 Jahre lang. Ein einsturzgefährdeter Dachstuhl, völlig aufgelöste Deckenbalken und schadhafte Fachwerkwände waren das Ergebnis.

Als alle Hoffnung längst begraben war, traten 2011 Michael Hartmann und Olaf Amm auf den Plan. Sechs Jahre voller Kraftanstrengung und nicht endenden Enthusiasmus vergingen bis das Haus 2018 seine Renaissance erlebte.

So vieles musste auf dem Weg dorthin bewältigt werden: Ein neuer Dachstuhl wurde in alter Kubatur wieder aufgesetzt, Hölzer konstruktiv gesichert, repariert und erneuert. Gefache wieder ausgemauert und verputzt. Überall im Haus kamen in Anlehnung an historische Baustoffe Lehmziegel, Lehmputz und Naturstein zum Einsatz. Nicht zuletzt konnten im Zuge des Innenausbaus historisch wertvolle Raumfassungsdetails sichtbar erhalten und überlieferte Ausstattungselemente, wie die alten Dielen und Türblätter aufgearbeitet werden.

Ilona und Manfred May - für die Sanierung des ehemaligen Weinhändlergehöftes – Suhler Straße 27 in Benshausen

Ort des kulturellen Austausches: Das ehemaligen Weinhändlergehöft in Benshausen

Allein 3, der zirka 20, aus der Blütezeit des Weinhandels stammenden Gewölbekeller in Benshausen, blieben auf dem sogenannten „Heumannhof“ erhalten, einem für die Benshäuser Bau- und Gewerbegeschichte charakteristischen Weinhändlerhof des 18. Jahrhunderts. Es war 1986 als Ilona und Manfred May im Bezirk Halle ihre Koffer packten und die Hofanlage, die sie nur ein Jahr zuvor von zwei Nachkömmlingen der Weinhändlerfamilie erworben hatten, bezogen. Was Familie May hier vorfand war in jeder Hinsicht einzigartig: Eine nahezu unberührt überkommene Hofanlage, die sich in ihrer historisch gewachsenen Raumstruktur und baulichen Substanz seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert hatte. Dieser besondere Umstand dürfte vor allem der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die „Heumann’s“ ihrer Zeit weitaus mehr Wert auf Tradition, als auf Modernisierung gelegt hatten.

Folgerichtig war Familie May in den Anfangsjahren der Sanierung vorrangig um die Sicherungs- und Rekonstruktionsarbeiten am Haupthaus und seinen Nebengelassen bemüht. Sie realisierten unter anderem die statisch-konstruktive Sicherung der großen Gewölbekeller, die Wiederherstellung der zerstörten Freitreppe und die Rekonstruktion der Fassadenverkleidungen und Fensterläden nach historischem Vorbild. Selbst auf den Stall- und Scheunentrakt, die Hofpflasterung und den Garten erstreckten sich die unzähligen, in Eigenleistung erbrachten Rekonstruktionsleistungen der Mays.

Zur eigentlichen Herausforderung sollte ab 1994 die Sanierung des Gesindehauses mit Holzlege werden. Nicht nur wies es vielfältige Störungen und Schädigungen an Fachwerkkonstruktion und Gefachen auf, auch unsachgemäße Umbauten, liegende Fensterformate und ein über 12 m2,  mitsamt Stirnwand eingestürztes Kellergewölbe mussten Instand gesetzt werden. Stets legten die Bauherren dabei besonderen Wert darauf, den größtmöglichen Teil an historischer Bausubstanz zu erhalten und das Denkmal in seiner historischen Authentizität zu bewahren.

Dass die Mays den „Heumannhof“ nie allein für sich wollten, sondern ihn seit jeher als Auftrag und Ort des kulturellen und gesellschaftlichen Austausches verstanden, wird deutlich, wenn man die von ihnen organisierten Ausstellungen, Lesungen und Konzerte besucht, für die, die Familie regelmäßig die Tore des alten Weinhändlerhofes öffnet.

Familie Knobloch -  Sanierung einer bäuerlichen Hofanlage -  Kirchgraben 2 in Stepfershausen

Bäuerlichen Dreiseithof im  Kirchgraben 2 in Stepfershausen

Zwischen Dorfkirche und Pfarrhaus in Stepfershausen gelegen, befindet sich der Dreiseithof der Familie Knobloch. Mit Schuppenreihe und rückwärtiger Scheune wurde das an drei Seiten reich beschnitzte Bauernhaus 1592 als zweistöckiges Wohnstallhaus errichtet.

Dass die jahrhundertealte Geschichte, dieses bereits zum Abbruch freigegebenen Einzeldenkmals, heute weiter geschrieben werden kann, ist dem außerordentlichen Einsatz des jungen Bauherren zu verdanken. Ausgerüstet mit dem notwendigen Fachwissen, handwerklichem Geschick und erfüllt von seiner Leidenschaft für die Zeugnisse unserer Vergangenheit, rettete Christian Knobloch dieses Kleinod ländlicher Fachwerkarchitektur 2009 vor dem sicheren Abbruch. Der verwahrloste Zustand der Hofanlage glich einem unwegsamen Urwald. Von Scheune und Wohnhaus war nicht viel übrig geblieben und etliche Deckendurchbrüche kündeten von massivem Schwammbefall.

Mit der Wiederherstellung des Daches begann im Jahr 2010 schließlich die aufwendige Instandsetzung und Reparatur des gesamten Hausgerüstes. Sparren, Deckenbalken, Streben, Riegel und Schwellen mussten ausgetauscht; komplette Wand- und Deckengefache in ursprünglicher Bauweise mit Lehm wiederhergestellt und nach Befund mit Hilfe historischer Putztechniken geschlossen werden. Eine Innendämmung aus Stampflehm und der Innenausbau in Lehm- und Kalkputz folgten.

Und als wäre dies nicht schon genug, rekonstruierte der Bauherr nebenbei noch sieben komplette Raumfassungen nach restauratorischen Erstbefunden in Keim-Farben und begann sich an die Restaurierung und Aufarbeitung der original erhaltenen Möbelausstattung zu machen. Dass, die Fachwerkfassade eine authentische Farbgebung nach historischer Vorlage und eine in Eiche gearbeitete, quergeteilte Haustür erhielt, deren Rekonstruktionsgrundlage, ein auf das Jahr 1680 datiertes Originalfundstück aus dem benachbarten Hühnerhaus war, gerät dabei fast zur Nebensache.

Franziska und Wolfram Fromke - Sanierung einer Fabrikantenvilla -  Brotteroder Straße 9 in Kleinschmalkalden

Auf einer Korbwarenvilla machte die Familie Fromke eine Kerzenvilla

Die Villa des Korbwaren-Fabrikaten Friedrich Gustav Aschenbach in der Brotteroder Straße 9 wurde einst als Wohnhaus und Lager genutzt. Im hinteren Bereich war die Werkstatt angebaut, in welcher Frauen und Männer die bekannten Korbwaren produzierten. Im Frühling des Jahres 2011 übernahmen Franziska und Wolfram Fromke die leerstehende Fabrikantenvilla, um ihr wieder neues Leben einzuhauchen. Nach dem Motto  „Vom Korb zur Kerze“ begannen die Fromkes das Gebäude sehr sorgsam zu sanieren. Es sollte so viel wie möglich von der historischen Bausubstanz erhalten bleiben, um die Geschichte des Hauses nicht zu zerstören. So wurden unter anderem alte Türen und Fußböden aufgearbeitet, Fenstergriffe erhalten und die in Resten vorhandene Schablonenmalerei im Treppenhaus wieder hergestellt. Mit viel Liebe zum Detail wurden Sichtfenster geschaffen, um die Reste der historischen Tapeten erlebbar zu machen. Ein Hinweispfeil im Erdgeschoss zum „Kontor“ zeigt ins Obergeschoss und ist noch heute sichtbar. Wo einst Korbstühle lagerten, stehen nun Wachstöpfe für Jung und Alt zum Kerzenziehen bereit. Aus der Korbwarenvilla wurde eine Kerzenvilla geschaffen.

Tally und André Maat -  Sanierung Schloss Roßdorf

Das einst heruntergekommene ehemalige Wasserschloss in Roßdorf ist nun ein kulturelles Zentrum und ein Blickfang im Ort.

Ursprünglich war das heutige Schloss ein Wasserschloss, inmitten von Seen, Sümpfen und Bächen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es einige Besitzer der Schlossanlage. So wurde auch das Schloss mehrfach umgebaut. Mit dem Anbau des Treppenturms 1707 durch den Oberhofbaumeister des Herzogs von Sachsen-Coburg wurde es letztmalig grundhaft saniert. Tally und André Maat aus den Niederlanden hatte sich während eines Urlaubs in  Thüringen in die Schlossanlage verliebt und wollte es aus seinem Dornröschenschlaft erwecken- Zustand des altehrwürdigen Hauses war damals eine Katastrophe. 2006 wurde das Schloss, nebst verwildertem Schlossgarten, Eigentum der Familie Maat. Viele Hinterlassenschaften der ehemaligen Mieter mussten beseitigt werden. So waren etwa Wasser-,Gas- und Stromleitungen auf der historischen Holzvertäfelung verlegt worden.

Ehemals große Räume wurden rücksichtslos durch den Einbau von Zwischenwänden zerstört. Die Familie Maat ließ all diese nachträglichen Einbauten zurückbauen und die vorhandenen Holzschäden beseitigen. Der Schlossgarten konnte ebenfalls nach historischem Vorbild wieder gestaltet werden.Nachdem einige Räume im Schloss nutzbar waren, entschloss sich die Familie Maat ihre alte Heimat zu verlassen und in das Schloss zu ziehen. So konnten aufwendige Sanierungsarbeiten am Schloss besser organisiert werden. Nach Tipps und Ratschlägen von versierten Handwerkern konnte viel Arbeiten in Eigenleistung erfolgen. Die gesamte Schlossanlage wurde zu einem Schmuckstück umgestaltet.

Das Schloss bildet schon heute ein kulturelles Zentrum der Gemeinde Roßdorf. Viele Veranstaltungen finden hier statt. So durfte auch das Landratsamt Schmalkalden-Meinigen seine Denkmalpreisverleihung 2016 in den historischen Räumen des Schlosses durchführen.

Manja und Ulrich Krampe - Sanierung „Alter Ritter“  - Tanzberg 1 in Walldorf

Im ehemaligen Gasthaus „Alter Ritter“ im Ortskern von Walldorf entstanden Wohnungen und eine Arztpraxis.

Das ehemalige Gasthaus “Alter Ritter“ im Ortskern von Walldorf wurde laut Wappenschild bereits 1692 als errichtet. Der klassische Fachwerkbau aus Eichenholz ist in der historischen Formensprache des 16. Jahrhunderts erhalten geblieben.  Das Gasthaus überdauerte in seiner Nutzung auch die DDR-Zeit und im Saal gab es bis zur politischen Wende regelmäßig Veranstaltungen. Jedoch konnte das baufällige Gebäude anschließend nicht mehr genutzt werden und fristete ein trauriges Dasein. Das Gebäude war in einem so schlechten Zustand, dass man schon über einen Abbruch nachgedacht hat, um den Schandfleck aus dem Ortskern zu beseitigen. 2012 wurde der „Alte Ritter“ durch die Familie Krampe aus seinem traurigen Dasein geweckt. Vor Beginn der Sanierungsarbeiten hatten sich die neuen Eigentümer intensiv mit der Geschichte des mehr als 20 Jahre leerstehenden Gebäudes beschäftigt. Durch Restauratoren wurde eine umfassende Dokumentation über die Befunde erstellt. Diese bildeten die Grundlage für eine denkmalgerechte Sanierung und Umnutzung des Gebäudes. Im „Alten Ritter“ sollten Wohnungen und eine Arztpraxis entstehen. Da die Praxis behindertengerecht werden sollte und brandschutztechnische Forderungen eingehalten werden mussten, wurde ein neuer moderner Treppenzugang geschaffen. Nun ist in das Gebäude wieder Leben eingezogen. Sowohl im Gebäudeinneren als auch an der Fassade des Gebäudes lässt sich an vielen liebevoll erhaltenen Details die Geschichte des Hauses ablesen.

Durch die Sanierung des Gebäudes und die Neugestaltung des Umfeldes wurde im Ortskern von Walldorf ein Blickfang geschaffen.

Der Bürgermeister in Schmalkalden erhält für die Sanierung und Umnutzung der ehemaligen Schule in Asbach eine Anerkennungsurkunde.

Die alte Schule im Schmalkalder Ortsteil Asbach wurde saniert und wiederbelebt.

Das historische Schulgebäude wurde 1912 an städtebaulich markanter Stelle in Asbach errichtet. Es zeichnet sich besonders durch seinen großen Giebel mit einem Erker im Dachgeschoss und dem feingliedrigem, zum Teil verzierten Fachwerk aus.  1986 wurde das historische Schulgebäude durch einen modernen Anbau erweitert. Bis 2009 wurde das Gebäude vom Landratsamt Schmalkalden-Meiningen als Grundschule genutzt. Anschließend übernahm die Stadt Schmalkalden das historische Gebäude, sanierte es und integrierte eine kombinierte Nutzung. In dem historischen Fachwerkgebäude befindet sich heute eine Kindertagesstätte mit 61 Plätzen und im neuen Anbau wurde eine Grundschule in freier Trägerschaft für 80 Schüler untergebracht. Um diese Nutzung zu ermöglichen waren viele Baumaßnahmen erforderlich. So mussten das Dach repariert, die Fenster im Fachwerkhaus nach historischem Vorbild erneuert und historische Innentüren aufgearbeitet werden. Standards im Wärme- und Brandschutz waren zu beachten und gemeinsam mit den Denkmalbehörden wurden einvernehmliche Lösungen gefunden. Im Zusammenhang mit der Sanierung des Schulgebäudes wurden zudem die Außenanlagen neu gestaltet – das gesamte Gelände ist längst ein Blickfang im Ortsteil Asbach.