Unternehmerische Meisterleistungen, sportliche Extreme und ein künftiger Zweitakt-Neuzugang

Mit einem markanten und in der Region wohlbekannten Zweitakt-Klang begann am 6. Mai der 22. Tag der Wirtschaft des Landkreises Schmalkalden-Meiningen auf dem Gelände der MZA Meyer-Zweiradtechnik GmbH in Meiningen. Der eingespielte Sound eines startenden Simson-Motors sorgte gleich zu Beginn des Grußwortes von Landrätin Peggy Greiser für Aufmerksamkeit – und wurde zum passenden Sinnbild für eine Veranstaltung, bei der es um Antrieb, Ausdauer und wirtschaftliche Stärke ging.

Am Hauptsitz des diesjährigen Gastgebers MZA kamen Unternehmerinnen und Unternehmen sowie Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um über aktuelle Herausforderungen, Innovationen und Zukunftsperspektiven zu sprechen. Höhepunkt der traditionsreichen Veranstaltung war der Impulsvortrag von Musiker, Unternehmer und Extremsportler Joey Kelly.

„Unternehmerische Meisterleistung!“

Landrätin Peggy Greiser würdigte in ihrem Grußwort zunächst die Entwicklung der MZA Meyer-Zweiradtechnik GmbH. „Dass der legendäre Simson-Motor heute wieder komplett neu produziert wird, ist eine unternehmerische Meisterleistung“, betonte sie. Die Geschichte des Unternehmens – vom kleinen Garagenbetrieb in Hessen hin zu einem modernen Produktions- und Logistikstandort mit internationaler Ausrichtung in Meiningen – stehe beispielhaft für Innovationskraft und Unternehmergeist im Landkreis.

Besonders hob Peggy Greiser dabei die Bedeutung des regionalen Mittelstands hervor. Familiengeführte Unternehmen würden langfristig denken, Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernehmen und fest in der Region verwurzelt sein. „Danke für Ihren immensen Einsatz, Ihre Bodenständigkeit und Verwurzelung“, richtete sie sich an die Unternehmerinnen und Unternehmer vor Ort.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen für die Wirtschaft – von Bürokratie über steigende Energie- und Transportkosten bis hin zum Fachkräftemangel – zeigte sich die Landrätin zugleich optimistisch mit Blick auf die Zukunft. Schmalkalden-Meiningen verfüge weiterhin über eine starke industrielle Basis, einen leistungsfähigen Mittelstand und engagierte Menschen, die Verantwortung übernehmen und gestalten. „Wirtschaftliche Entwicklung ist möglich – auch unter schwierigen Bedingungen“, betonte Peggy Greiser. Viele Unternehmen im Landkreis würden nicht abwarten, sondern investieren, neue Technologien nutzen und ihre Betriebe kontinuierlich weiterentwickeln. „Sie sind der Motor unserer Regionalentwicklung“, so die Landrätin.

Neuer Online-Shop auch für Endkunden

Für Einblicke in die Entwicklung des Gastgeberunternehmens sorgte Betriebsleiterin Manuela Jakob. Sie schilderte den Weg der MZA Meyer-Zweiradtechnik GmbH vom Garagenbetrieb in Hessen, den Simson-Überlebenskämpfen am Standort Suhl, die Übernahme der Lizenzrechte zur Nutzung der Marke Simson durch MZA, bis hin zum Neubau des Hauptsitzes in Meiningen und die kontinuierliche Erweiterung des Unternehmens seit dem Spatenstich 2018. Das Gelände am Rohrer Berg biete ideale Entwicklungsmöglichkeiten für weiteres Wachstum. Besonders während der Corona-Pandemie habe das Unternehmen einen starken Nachfrageanstieg erlebt, da viele Menschen wieder selbst an ihren Fahrzeugen schraubten und bastelten. „Seit April 2026 betreibt MZA zudem einen eigenen Online-Shop für Endverbraucher und erweitert damit sein Angebot über den bisherigen B2B-Vertrieb hinaus“, berichtete Jakob.

Tor zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Dr. Carolin Görzig von der Hochschule Schmalkalden mit ihrem Vortrag zur sogenannten Tandemprofessur. Ein Modell, das Hochschule und Unternehmen enger miteinander verbinden soll. Tandemprofessoren arbeiten jeweils zur Hälfte an der Hochschule und in Unternehmen und sorgen so für einen direkten Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Ziel sei es, Innovationsprozesse zu beschleunigen, Fachkräfte frühzeitig an Unternehmen und die Region zu binden und die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu stärken. Gleichzeitig profitiere die Hochschule von praxisnaher Forschung und realen Projekten für Studierende. „Wir öffnen ein Tor zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“, zitierte Görzig den Pilot-Tandem-Professor Andreas Wirtz, der auch für die GFE im Einsatz ist, als Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit in der Region.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte anschließend Joey Kelly mit seinem Vortrag „NO LIMITS – Wie schaffe ich mein Ziel“. Der Musiker, Extremsportler und Motivationsredner berichtete eindrucksvoll von seinem außergewöhnlichen Lebensweg – von den frühen Jahren als Straßenmusiker mit der Kelly Family („Wir waren eigentlich immer pleite!“), dem kommerziellen Durchbruch der Band, bis hin zu extremen sportlichen Herausforderungen rund um den Globus. Ob Ultra-Triathlon, Unterwasserlauf, 250-Kilometer-Wüstenrennen in Nevada, 400-Kilometer-Wettlauf zum Südpol oder eine Deutschland-Durchquerung ohne Geld, Proviant und Unterstützung – Kelly machte deutlich, dass Disziplin, Ausdauer und Zielstrebigkeit entscheidend seien, um Herausforderungen zu meistern. „Das ganze Leben ist ein Marathon“, sagte Kelly und warb dafür, niemals aufzugeben und Chancen mutig zu ergreifen. „Ich bin immer all-in gegangen!“, so Kelly, der auch bei Spendenläufen regelmäßig Millionenbeträge für gute Zwecke sammelt. Unter großem Applaus hob er die Bedeutung mittelständischer Unternehmen hervor: „Die regionalen Unternehmen und der Mittelstand sind die Helden. Sie sichern Arbeitsplätze, zahlen Steuern und tragen Verantwortung für die Region.“ Und auch für den Gastgeber hatte der charmante irisch-stämmige Extremsportler eine Steilvorlage parat. „Ich habe eine Vespa und eine Hercules. Eigentlich fehlt noch eine Simson in meiner Garage“, sagte Kelly. Ein Umstand, den das Meininger Unternehmen mit gutem Gespür fürs Marketing alsbald zu ändern versprach.

Spender für Avatar-Projekt gesucht

Neben en Vorträgen bot die Veranstaltung bei kühlem Getränk und Grillspezialitäten ausreichend Raum für Gespräche, Vernetzung und den Austausch gemeinsamer Ideen. Darüber hinaus warb Landrätin Peggy Greiser für das Avatar-Projekt des Landkreises, das schwerkranken Kindern die Teilnahme am Unterricht und den Kontakt zu ihren Mitschülern ermöglicht. Zwei weitere Avatare konnten im Rahmen des Tages der Wirtschaft mit Unterstützung der Schmalkalden Stadtreinigung GmbH und der Rhön-Rennsteig-Sparkasse in Betrieb genommen werden, für zwei weitere werden noch dringend Spender gesucht.

Die Veranstaltung wurde durch die Rhön-Rennsteig-Sparkasse sowie weitere Partner unterstützt. Viele Gäste nutzten zudem die Möglichkeit, an einer Unternehmensführung durch die Produktions- und Logistikbereiche der MZA teilzunehmen.