Landrat: „Bürgerhinweise zum Taktfahrplan Gold wert!“

Nach Auswertung von rund 650 Hinweisen zum Integralen Taktfahrplan zieht Landrat Peter Heimrich ein positives Fazit aus dem Bürgerbeteiligungsprozess. „Ich habe von einigen Landkreisen gehört, die ohne Beteiligung der Bürger eine Zäsur im Fahrplanwechsel erreichen wollten und die Busfahrer dann bei der Einführung den ganzen Unmut der Bürger abbekommen haben, das wollten wir unbedingt vermeiden“, erklärt Heimrich. Die große Resonanz zeige, dass die Bürgerinnen und Bürger ein großes Interesse an unserem ÖPNV haben und dass wir bei der Fahrplanentwicklung den richtigen Weg eingeschlagen haben. „Es ist in der Tat so, dass wir viele wichtige Hinweise bekommen haben, die nun in die endgültigen Fahrpläne einfließen werden.“

Die veröffentlichten Entwürfe seien lediglich ein Arbeitstand und die Schülerbeförderung in den Fahrplänen nicht vollständig integriert gewesen, berichtet Heimrich. Dies habe offenbar zur Verunsicherung vieler Eltern geführt – etwa die Hälfte aller Bürgerhinweise beziehen sich auf die Schülerbeförderung. „Es wäre im Nachgang sicher hilfreicher gewesen, den Schulen die schulbezogenen Fahrpläne parallel zur Verfügung zu stellen“, räumt Heimrich ein. Aufgrund von Verzögerungen in der Fahrplanerstellung und der engen Terminkette mit Entscheidungs-, Ausschreibungs- und Genehmigungsfristen musste man jedoch vorab die Bürgerbeteiligung starten um den ehrgeizigen Zeitplan zu halten. „Dass wir dadurch Eltern beunruhigt haben, tut mir leid. Das bedauere ich ausdrücklich.“ Nach den Osterferien werden alle Schulen einen eigenen schulbezogenen Fahrplan erhalten.

Taktfahrplan zunächst im Hauptnetz

Um einen möglichst reibungslosen Start des Integralen Taktfahrplans zum 13. August dieses Jahres zu gewährleisten, habe man nun intern entschieden, den neuen Taktfahrplan stufenweise einzuführen – also zunächst mit dem Hauptnetz zu beginnen. Die Schülerbeförderung wird dabei gesondert betrachtet.

Das ITF – Hauptnetz umfasst:

Linie 400  - Meiningen – Suhl – Zella-Mehlis - Meiningen

Linie 407 – Meiningen – Schmalkalden

Linie 411 – Meiningen – Kaltensundheim

Linie 422 – Zella-Mehlis – Oberhof

Stadtverkehr Meiningen

Stadtverkehr Schmalkalden

Stadtverkehr Zella-Mehlis (ab 16.10.2018)

„Wir werden alle Kinder sicher und weiterhin auf kurzem Wege in die Schulen bringen“, versichert Heimrich. Im Mai werden die überarbeiteten Fahrpläne in den Gremien diskutiert. „Ich denke, dass sich die Situation damit deutlich entspannen wird und wir zum Schuljahresbeginn ein neues Fahrplanangebot vorhalten können, das auch für neue Nutzergruppen interessant ist.“ Er sei überzeugt, dass sich die Fahrgäste schnell an die klaren Strukturen und festen Abfahrtszeiten im Hauptnetz gewöhnen werden und dies schätzen lernen. Auf der im Takt fahrenden Linie zwischen Oberhof und Zella-Mehlis sei bereits eine positive Entwicklung der Fahrgastzahlen zu beobachten. „Das Beispiel zeigt: Die Einführung eines Taktfahrplans ist der richtige Weg.“

Das verdeutlicht auch der Blick in den Rückspiegel: „Die Ausgangslage war, dass unser ÖPNV immer teurer wurde und die Fahrgastzahlen rückläufig“, erklärt Heimrich. Das jetzige Fahrplansystem hätte sich der Landkreis auf Dauer nicht mehr leisten können. „Wir richten unseren Busverkehr derzeit an vielen Individualinteressen aus. Das heißt: Wir haben unheimlich viele Leerfahren, weil unsere Busse nicht nach einem klar strukturierten System fahren.“ Eine wissenschaftliche Studie zum ÖPVN habe dann zum Integralen Taktfahrplan geführt. „Wir wollen für die rund fünf Millionen Euro, die wir jährlich zum ÖPNV zuschießen, ein besseres Angebot für unsere Bürgerinnen und Bürger“, sagt Heimrich. An diesem Ziel halte man fest. „Wir wollen effizienter werden, wir wollen mehr ÖPNV, also mehr Fahrplankilometer zum gleichen Preis.“

„Bürgerhinweise Gold wert!“

Gleichzeitig wolle man für viele Nutzergruppen attraktiver werden und Schüler- und Linienverkehr in Einklang bringen. „Hier waren die Bürgerhinweise Gold wert“, sagt Heimrich. „Ein Beispiel: Viele Eltern kritisierten völlig zu Recht, dass es nicht sein kann, dass der Schulbus von Brotterode nach Schmalkalden nun mehr als eine Stunde unterwegs ist. Das sehe ich ganz genauso“, sagt Heimrich. „Hier wurde Effizienz vor die Belange unserer Schüler gestellt. Ziel ist es aber, beides jetzt in Einklang zu bringen.“ Probleme wie dieses werden in den neuen Fahrplänen bereinigt. So wird auch weiterhin der Bus vom Meininger Kiliansberg direkt, ohne Umstieg, ins Klinikum fahren, lediglich die Linien-Anzeige auf dem Bus wechselt am Busbahnhof. Auch der Betriebsbeginn vom Kiliansberg wurde – wie bei den weiteren Bussen der Stadtlinie Meiningen – auf 5 Uhr vorverlegt und teilweise verdichtet. „Die Anwohner gelangen weiterhin pünktlich an die Arbeit.“  Zwei weitere Problemlösungen, die sich in Meiningen aufgetan haben, kann der Landrat ebenfalls mitteilen: „Dreißigacker-Süd wird auch weiterhin angefahren“, bekräftigt Heimrich. Hier hatte es aufgrund geplanter Bauarbeiten ursprünglich keinen Fahrplaneintrag gegeben. „Auch am Wandervogel wird es weiterhin ein adäquates Angebot geben“, kündigt der Kreischef an.

Fahrscheinanerkennung: Ticketpreis pro Wegstrecke

Durch den neuen Taktfahrplan im Hauptnetz ab dem neuen Schuljahr werden die Bürgerinnen und Bürger bereits Verbesserungen spüren. „Regelmäßige Abfahrtszeiten, immer gleiche Fahrwege, neue Umsteigemöglichkeiten, ferienunabhängige Fahrpläne und insgesamt auch mehr Busverkehr im Hauptnetz“, so Heimrich. Natürlich seien Bestandskunden Direktfahrten gewohnt – das habe auch die Bürgerbeteiligung gezeigt. Die neuen Umsteigebeziehungen bedeuten aber eine bessere Vernetzung des Angebots und so mehr Möglichkeiten im ÖPNV des Landkreises. „An den Knotenpunkten im Hauptnetz gibt es keine langen Wartezeiten für den Anschlussbus. Die gelösten Fahrscheine werden beim Umstieg anerkannt, es wird nach Wegstrecke bezahlt.“

Aufgrund der Entscheidung, zunächst nur das Hauptnetz vertaktet ab 13. August 2018 an den Start zu bringen, wird es im Sommer im Nebennetz keine Veränderungen geben. Dies soll dann zum Schuljahresbeginn 2019/20 erfolgen. Das heißt auch, dass etwa in Schwarzbach, Wahns, Untermaßfeld, Utendorf sowie in der gesamten Rhön vorerst alles beim Alten bleibt. Auch für den Busverkehr in den Nachbarlandkreisen gibt es zunächst keine Veränderungen. „Wir haben so die Möglichkeit, ohne Zeitdruck auf die entsprechenden Kommunen beziehungsweise Landkreise zuzugehen und die Änderungen gemeinsam zu erörtern.“

Mit dem vom Kreistag beschlossenen Nahverkehrsplan wurden zukünftige Standards der Bedienhäufigkeit von allen Orten definiert. Das heißt: die vorzuhaltenden Busfahrtenpaare wurden an Einwohnergrößenklassen gekoppelt, um den ÖPNV effizienter zu verteilen. „Wir haben nun mehr als ein Jahr Vorlauf, um auch hier im Dialog mit den Städten und Gemeinden ein bedarfsgerechtes Angebot auf den Weg zu bringen“, so Heimrich.