Denkmalpreis: Landkreis ehrt vier Sanierungen

In Vertretung von Landrat Peter Heimrich zeichnete Rolf Baumann als Beigeordneter am 12. Dezember beispielgebende Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude aus. Wie in den vergangenen Jahren fand die Verleihung des Denkmalpreises in einem denkmalgeschützten Gebäude statt – diesmal in der Johanniterburg Kühndorf. Die vier Preisträger aus Schmalkalden, Walldorf, Meiningen und der Gemeinde Grabfeld/Ortsteil Behrungen erhielten je eine Geldprämie von 750 Euro sowie eine entsprechende Urkunde und Plakette.

Insgesamt gab es in diesem Jahr sieben Bewerbungen für den Denkmalpreis. Eine fachkundige Jury wählte die Preisträger nach Sichtung durch die Untere Denkmalschutzbehörde und den ehrenamtlichen Denkmalbeirat aus.

Mit dem Denkmalpreis will der Landkreis herausragendes Engagement für die Kulturschätze in unserer Region fördern, sich für das Geleistete mit Vorbildwirkung bedanken, aber auch anderen Mut machen und zeigen, welche großen Chancen in der Sanierung eines historischen Gebäudes liegen.

„Denkmalpflege ist aber auch eine Investition in die Zukunft und die Zuschüsse, die wir dafür jedes Jahr als Landkreis ausreichen, sind die beste Wirtschaftsförderung“, sagte Landrat Peter Heimrich im Vorfeld der Preisverleihung und verwies dabei auf einen zweiten Anreiz, den der Landkreis neben dem Denkmalpreis für die Sanierung von altehrwürdigen Gebäuden setzt. Wie in den Vorjahren stellte der Landkreis auch in diesem Jahr 200.000 Euro für Investitionszuschüsse in den Haushalt ein. Bei insgesamt 83 Anträgen wurden 72 Vorhaben gefördert. Mit den Sanierungszuschüssen von 200.000 Euro wurden dabei Investitionsvolumen von
1,18 Mio. Euro in Gang gesetzt beziehungsweise unterstützt. „Das sind fast 600 Prozent der Zuschusssumme – ein super Multiplikator“, so Heimrich.

Hier die diesjährigen Preisträger im Überblick:

Katrin und Stefan Hausemann, Sanierung des Gehöfts  „Große Keh 5“ in Grabfeld/OT Behrungen 

Katrin und Stefan Hausemann kauften 2014 das Fachwerkgehöft „Große Keh 5“ in Behrungen. Die vermutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Hofanlage sollte eigenen Wohnzwecken dienen. Erst durch das beauftragte Architekturbüro Würke & Partner aus Zella – Mehlis wurde das Ehepaar auf den Denkmalschutz des Komplexes aufmerksam gemacht. Nachträgliche Einbauten, alte Fußbodenbeläge, Tapeten und vieles mehr mussten entfernt werden. Das Schadensausmaß erwies sich größer als es Familie Hausemann zunächst annahm. Durch unfachmännische  Reparaturen in der Vergangenheit und den Einsatz falsche Materialien kamen viele Defekte zum Vorschein. Auch die gesamte Haustechnik war vollkommen überaltert. Davon ließen sich Katrin und Stefan Hausemann nicht abschrecken. Bei der Sanierung der Hofanlage setzten sie weitestgehend ökologische Baumaterialien ein. Im Haus, das die Hausemanns vorrangig mit Holz heizen, wurde eine Wandheizung installiert. Man arbeitete Türen auf, ergänzte fehlende mit historischen Türen, verlegte neue Dielenfußböden, reparierte die Fensterläden und vieles andere mehr. Historie und modernes Wohnambiente ergänzen sich perfekt und bilden bei Hausemanns eine Symbiose. Von oben bis unten kann man die Liebe zum Detail erkennen, verbunden mit viel Gemütlichkeit.

Große Keh 5 in Behrungen (Familie Hausemann)

Franz Neumann, für die Sanierung des Wohnhauses „Werrastraße 3“ in Meiningen

Das Wohnhaus in der Werrastraße gehört Franz Neumann seit 1994. Das Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang 20. Jahrhunderts  erbaut und ist mit seinem Fachwerkschmuck, den geschnitzten Palmetten, geschweiften Streben und vielem anderen Zierwerk sehr stadtbildprägend. Der 69-jährige Franz Neumann hat die Arbeiten am Gebäude zum größten Teil in Eigenleistung durchgeführt. Nur die Familie hat ihm zur Seite gestanden. Wegen des denkmalgerechten Materialeinsatzes z. B. bei der Fassadensanierung hat der Bruder, der Restaurator von Beruf ist und im Landkreis schon bei vielen Kirchen sein Markenzeichen hinterlassen hat, die richtigen Empfehlungen gegeben.

Werrastraße 3 in Meiningen (Familie Neumann)

Karin Nagler, für die Sanierung der Hofanlage Fritz-Aßmus-Straße 10 in Walldorf

Karin Nagler hat das denkmalgeschützte Anwesen Anfang der 1990er Jahre von ihrer Mutter übernommen. Als alleinstehende Frau schaffte sie es, das Anwesen zu erhalten und später mit ihrem neuen Lebenspartner zu sanieren. Beide hatten sich die Sanierung des Wohnhauses  nicht so arbeits- und kostenintensiv vorgestellt. Man begann schrittweise mit der Sanierung des Daches und dem Abriss einsturzgefährdeter Scheunenteile und Anbauten. In diesem Zusammenhang wurden auch Hof und Garten entsprechend einer ehemaligen bäuerlichen Hofanlage neu gestaltet. Dann stand die Sanierung des Wohnhauses an. Immer mehr Schäden wurden sichtbar und verlangten den Hauseigentümern starke Nerven und Einsatzbereitschaft ab. Es gab aber nicht nur negative Überraschungen, sondern auch eine große Freude über das gefundene alte Familienwappen der Familie Nagler. Auch wenn das Wohnhaus keine exakt geraden Wände und Fußböden hat und die Decken in manchen Räumen nicht den heutigen Normen entsprechen, fühlt sich Familie Nagler in ihrem Haus sehr wohl. Die Hofanlage bildet, in ihrem heutigen Erscheinungsbild, einen Blickfang im Straßenzug des Ortes.

Fritz-Aßmus-Straße 10 in Walldorf (Familie Nagler)

Familie Stefan Gampe und Hanna-M. Wolff für die Sanierung der Fachwerkvilla in der Näherstiller Straße 25 in Schmalkalden

Die Villa wurde 1899 vom Bauunternehmer Tripp für den Kartonagenproduzenten Hermann Ostertag errichtet. Das Gebäude ist ein eingetragenes Einzeldenkmal und steht in einem denkmalgeschützten Straßenzug. Im Eigentum der Schmalkalder Wohnungsbau GmbH  wurde die Villa als Wohnraum genutzt. Man kam seiner Erhaltungspflicht nach,  aber die ehemalige Fabrikantenvilla stellte sich bis 2009 als „ graue Maus“ im Straßenzug der Näherstiller Straße dar. Mit dem Verkauf der Gründerzeitvilla an die Familie Wolff/Gampe im Jahr 2009 sollte für das Gebäude ein neuer „Lebensabschnitt“ beginnen. Trotz des erheblichen inneren und äußeren Sanierungsstaus reizte es die Familie diese Villa zu sanieren, um ansprechenden Wohnraum zu schaffen. Leider kamen bei der Sanierung des Daches und der Fassade erst einmal die verborgenen Holzschäden zum Vorschein. Aber auch hier galt der Grundsatz „Erhalt vor Austausch“. Nach Möglichkeit wurden die schadhaften Balken nur angeschuht, um die Stabilität des Hauses wieder herzustellen. Die Dacheindeckung wurde erneuert und die vergraute Fassade erhielt einen neuen Anstrich. Im Gebäudeinneren wurden die Wohnungen saniert und modernisiert. Auch hier wurden Innentüren und Fußböden erhalten und aufgearbeitet. Selbst ein  vorhandener Kachelofen im Erdgeschoß wurde erhalten und spendet heute wieder eine wohlige Wärme. Neben der kompletten Sanierung des Gebäudes wurde auch dem früheren Villengarten wiederbelebt. Der „Urwald“ wurde gelichtet und so Parkflächen für die Hausbewohner geschaffen. Der Garten wurde in diesem Zusammenhang komplett neu gestaltet. Die ehemalige Villa nebst Garten ist der Beweis einer gelungenen denkmalgerechten Sanierung und bildet einen Blickfang an der Hauptzufahrtsstraße nach Schmalkalden im Bereich der Hochschule der Stadt.

Näherstiller Straße 25 in Schmalkalden (Familie Wolff/Gampe)

 

Titelfoto: In Vertretung von Landrat Peter Heimrich zeichnete dessen Beigeordneter Rolf Baumann (vorne, links) die diesjährigen Denkmalpreisträger aus: (Von links nach rechts, vordere Reihe): Elisabeth Neumann, Katrin Hausemann, Hanna Wolff, Karin Nagler. Hintere Reihe, von links nach rechts: Franz Neumann, Stefan Hausemann, Stefan Gampe und Gerwald Nagler.