Schlüpfriger Widerstand zur Gebietsreform

Es klingt nach einer doppelten Drohung: „Den ziehe ich solange an, bis die Kreisgebietsreform beerdigt wurde“, flachste Landrat Peter Heimrich in Richtung von Ministerpräsident Bodo Ramelow. Der kontert gekonnt: „Zum Glück ist es ein schwarzer.“

Gegenstand des amüsanten Dialogs beim Rundgang des Thüringer Regierungschefs auf der Grünen Woche in Berlin war ein Geschenk von Ex-Landrat Ralf Luther, der auf Einladung seines Nachfolgers Heimrich in der Bundeshauptstadt als Martin Luther verkleidet für das Reformationsjahr 2017 warb. Der Ex-Landrat in Mönchskutte hatte Landrat Peter Heimrich als Präsent einen Schlüpfer mit dem berühmten Luther-Zitat „Hier stehe ich und kann nicht anders“ mitgebracht. Natürlich gemünzt auf die Haltung des Landrats in Sachen Gebietsreform und unterstrichen durch eine gerahmte Luther-Urkunde mit der Aufforderung „Landgraf bleibe hart“. Der ließ daran wenig Zweifel und kündigte seinen schlüpfrigen Widerstand an.

Der Ministerpräsident machte gleich einen weiteren Vorteil für die landrätliche Kontinuität in Sachen Unterwäsche aus. „So kann man dich künftig schon von Weitem riechen“, scherzte Thüringens Regierungschef.

Wahrlich von den Socken war der Ministerpräsident auch über sein persönliches „Luther-Geschenk“. Bodo Ramelow konnte sich über einen Satz Strümpfe freuen – natürlich rote Socken, ebenfalls mit dem Luther-Zitat „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Doch damit nicht genug: Neben einem Luther-Bierkrug erhielt Ramelow auch eine Urkunde mit Weisheiten zur Gebietsreform. So wurde der doppelte Luther zu einer Art Gegenreformator. Verbrieft wurde mit der Urkunde für den Landesvater ein weiteres anrüchiges Versprechen in Form eines leicht abgewandelten Luther-Ausspruchs: „Wenn der Landgraf in Schmalcaldia-Mäninge einen Furz lässt, soll man ihn bis Erfordia riechen.“ Ob sich der MP die lutherischen Darm-Prophezeiungen in sein Büro in der Staatskanzlei hängt, blieb offen.

Nach dem auch Landwirtschaftsministerin Birgit Keller ihre Präsente aus der Hand des auferstandenes Reformators erhalten hatte, begab sich Ramelow in die „bewährten Hände“ von Biathlon-Legende Frank Ullrich, wie es Landrat Heimrich formulierte. Am Lasergewehr verfehlte Ramelow nur eine Scheibe und ging ohne Strafrunde weiter zur Venter Glocken GmbH, wo sich Ramelow beim Glockendengeln durchaus nicht ungeschickt anstellte und unter den Augen der Geschäftsführer Bärbel Hartig und David Venter unversehrt blieb. Hier sicherte sich Ramelow auch für künftige Biathlon-Events in Oberhof optimale Stimmungsmacher. Vom Landrat und vom Chef des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung, Knut Rommel, erhielt Ramelow jeweils eine Venter-Glocke mit entsprechenden Aufschriften. Zuvor hatte Ramelow bereits bei den Breitunger Filzerinnen Station gemacht und einen Stein vom Kiessee mit dem flauschigen Text versehen. Über die Bedeutung des gefilzten Steins wurde dann auch gleich philosophiert. „Das ist der Stein der Weisen“, fand Landrat Heimrich. Ramelow erkannte in dem Strukturmuster des Steins sein Acht-Plus-Zwei-Modell für die Kreisgebietsreform wieder.

Am Ende gab es für den Stand des Landkreises lobende Worte. „Ich weiß doch, dass auf den Landrat Heimrich Verlass ist“, sagte Ramelow. Ob das auch beim Schlüpfer der Gegenreform(ation) so ist, wird sich noch zeigen.

Foto: Lutherische Präsente vom Ex-Landrat Ralf Luther, alias Martin Luther, gab es für Landrat Peter Heimrich, Ministerpräsident Bodo Ramelow und Ministerin Birgit Keller.

 

 

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